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Guatemala hätten wir am liebsten ausgelassen. Das kam, weil wir zur Vorbereitung die Informationen vom Auswärtigen Amt gelesen hatten. Demnach waren alle Gegenden, die wir eigentlich besuchen wollten, sehr gefährlich. Bewaffnete Banden überfallen Busse und Privatautos, rauben die Opfer aus und lassen sie dann im Nirgendwo stehen. Und das ist noch die harmlosere Form. Da es auf dem Landweg keine Alternative gibt, wollten wir dann auf dem schnellsten Weg durch das Land fahren. Erstmal im Land, beschlossen wir, uns gut zu informieren und umsichtig zu bewegen. Das ist eine sehr empfehlenswerte und erfolgreiche Strategie, die wir auf unser gesamte Reise befolgten. Wir haben für kein weiteres Land, das wir besuchten, jemals wieder die Informationen des Auswärtigen Amtes gelesen!


Der Besuch der Maya-Ausgrabungsstätte von Tikal war ein ganz besonderes Highlight, auf das wir uns sehr freuten. Mit einem privaten Guide waren wir einen ganzen Tag im Nationalparks unterwegs. Neben den tollen Tempeln, die man hier sogar noch besteigen konnte und einen atemberaubenden Blick über den sie umgebenden Urwald hatte, gab es auch viele Begegnungen mit Brüllaffen, Tukanen, Schlangen und anderen Urwaldbewohnern.


In der Finca Ixobal, weiter südlich, verbringen wir 2 Tage und genießen die gesellige Atmosphäre des Hostels. Es gibt Lagerfeuer und interessante Gespräche mit anderen Deutschen und Israelis.


Die von uns ausgesuchte Route in den Parque Nacional Grutas de Lanquin wird uns von den Einheimischen nicht empfohlen. Sie führt durch sehr bergiges, abgelegenes Land über schlechte Straßen. Daher entschließen wir uns zu einem Umweg, der uns am Lago de Izabal vorbeiführt, wo wir im Örtchen Rio Dulce übernachten. Wir staunen über die vielen großen und teuren Jachten, die hier am Steg liegen.


Am nächsten Tag folgt eine lange Etappe nach Lanquin, an deren Ende eine 11 km lange und schmale Piste liegt. Hier übersehen wir einen überwucherten Baumstumpf am Wegesrand, der uns beide Camper-Stützen auf der Beifahrerseite weg- und die Camper-Außenhaut aufreißen. Die nächsten 2 Tage verbringen wir mit der notdürftigen Reparatur des Campers. Ein Einheimischer hilft uns, im Ort Silikon zu finden. Das Bergdorf ist sehr abgelegen und wir sind mitten unter Indigenas, die hier ein spärliches Leben fristen. Zumindest kommen immer wieder Touristen hierher, die die Grutas sowie die Pools von Semuc Champey besuchen. Die Grotte ist nicht gut zu erkunden, da es hier kein Licht gibt. Die Pools sind da eher interessant. Hier lernen wir auch Victor und seine Frau Iris kennen, mit denen wir interessante Gespräche führen. Er ist ein sehr gläubiger Mensch und wünscht uns Gottes Segen für unseren weiteren Weg. Wir glauben, es hat geholfen.


Der weitere Weg nach Antigua führt uns entlang vieler Kaffeeplantagen und schließlich unweigerlich durch die Hauptstadt Guatemala City. Die Durchfahrt ist aufgrund der Verkehrsführung und des vielspurigen Verkehrs eher ein Albtraum, aber wir schaffen es nach mehrmaligem Verfahren.


Antigua ist eine sehr hübsche, touristisch orientierte Stadt, obwohl das letzte Erdbeben einige Gebäude zerstört hat. Hierher zieht es auch viele Sprachstudenten. Auch wir nehmen hier eine Woche lang individuellen und intensiven Sprachunterricht.

Da sich Carina durch ein Missgeschick einen Bänderriss zugezogen hat, bleiben wir gleich 2 Wochen und lernen unfreiwillig das lokale Gesundheitswesen kennen. Es gibt sogar eine Privatklinik und die Apotheken führen alle bekannten Schmerzmittel.

Wir logieren fast 2 Wochen auf dem Gelände der Polizei, die dort Reisenden sicheren Unterschlupf gewährt. Umrahmt von sicheren Mauern und von toller Landschaft mit gleich 3 Vulkanen geht es uns überwiegend gut. Täglich kommen und gehen Reisende, unter anderem auch wieder unsere kanadischen Freunde.

Nebenan ist der Markt mit tollen Früchten und frisch gemachtem Ceviche. Die Läden bieten weiteres Material zur besseren Reparatur unseres Campers und die lokalen Werkstätten nutzen wir zum Tönen unserer Scheiben und zum Anbau von Zusatzscheinwerfern.


Letzte Station in Guatemala ist der Lago de Attitlan - mit drei ihn umrahmenden Vulkanen fast eine Bilderbuchlandschaft. Leider war der See aufgrund fehlender Kläranlagen umgekippt und vergiftet. Wir finden einen Campingplatz in Panajachel mit einem völlig durchgeknallten Betreiber – Mike ist aus den USA gekommen und hier hängen geblieben. Er glaubte an den baldigen Weltuntergang (Ende des Maya-Kalenders) und dass die Außerirdischen schon mit uns kommunizieren, aber er kokst wohl eher zuviel... Wir fahren mit einem Ausflugsboot über den verdreckten See nach Santiago de Attitlan, ein Ort, wo nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer noch traditionelle Kleidung tragen. Mit einem Kleinbus machen wir einen Tagesausflug ins Bergland zum Markttag in Chichicastenango. Er ist sehenswert, da hier die Einwohner der vielen umliegenden Maya-Siedlungen ihr Kunsthandwerk anpreisen. Feilschen um die Preise ist hier Pflicht.


Nach einem abwechslungsreichen, wenn auch etwas unglücklichen Monat, verlassen wir Guatemala entlang der Panamerikana auf dem Weg ins kleine Land El Salvador.


Unsere Erkenntnisse in Guatemala:

  • Guatemala war gefährlich, nicht nur für unseren Camper und Carinas Fuß. In manchen Gegenden stand neben jeder Kasse in den Geschäften, oder neben Geldautomaten ein bewaffneter Militär.

  • Guatemala ist ein armes Land mit in weiten Teilen schlechter Infrastruktur. Die touristischen Zentren sind gut entwickelt

  • Es gibt viele Indigenas (Maya-Nachkommen), die ihre Traditionen pflegen

  • Die Menschen sind freundlich, aber reserviert


Strecke:

Flores → Parque Nacional Tikal → Finca Ixobal/Poptun → Rio Dulce → Parque Nacional de Lanquin → Antigua Guatemala → Lago Attitlan→ Panamericana Richtung El Salvador


Zeitraum: 25.10. - 22.11.2009