Next pageNicaragua

Nicaragua ist eines der ärmsten Länder zentrallamerikas und hat eine sehr bewegte Geschichte mit vielen politischen Irrungen und Wirrungen (Sandinisten, Nationalisten). Es ist sicher kein klassisches Reiseland und daher für Überraschungen gut.

Bereits die Einreise gestaltet sich skurril. Da wir zur Mittagszeit an der fast nicht als solche erkennbaren Grenzstation ankommen, müssen wir uns erst mal in Geduld üben und die ausgedehnte Siesta abwarten. Dann werden wir aber freundlich abgefertigt. Die bei Einreise in die meisten Länder obligatorische lokale Fahrzeugversicherung schließen wir bei einem auf einem Stein sitzenden Mann mit Aktenköfferchen ab. Wir sind lange skeptisch, ob das echt ist, aber wir haben später nie Probleme bei Kontrollen.


Nach der Quasi Non-Stop Durchfahrt durch Honduras und den damit verbundenen 4 Grenzabfertigungen erreichen wir die Stadt Leon sichtbar geschafft. Wir sehnen uns nach einer Dusche, einem sauberen Zimmer und einem schönen Essen. Zum Glück finden wir all das.

Leon war früher mal Hauptstadt von Nicaragua und wurde durch Vulkanausbrüche öfter zerstört. Trotzdem gibt es ein schönes koloniales Stadtzentrum mit vielen Plätzen, Kirchen und Denkmalen. Pferdekarren sind ebenso häufig zu sehen, wie alte Autos und Traktoren.

Nach Sight-Seeing und den notwendigen Versorgungsaktionen geht es weiter ins Inland. Nicaragua hat viele Vulkane und geologische Aktivität. Wir besichtigen nahe San Jacinto ein Gelände, auf dem heiße Quellen und Schlammpools zu sehen sind. Die örtliche Kinder bieten sich für ein Trinkgeld als Guides an, was wir gerne in Anspruch nehmen.


Weiter geht’s zum Parque Nacional del Volcan Masaya. Der noch aktive Vulkan Masaya ist einer der höchsten des Landes. Wir erklimmen ihn per Auto und schauen in seinen dampfenden Schlund. Auf einem organisierten Nachtausflug sehen wir leider nicht die versprochene Lava, dafür aber viele Fledermäuse, die aus einer Höhle in die Nacht entschwinden.


Touristisches Juwel Nicaraguas ist sicherlich die Stadt Granada am Lago Nicaragua, dem drittgrößten Binnensee Lateinamerikas. Hier findet man ein sehr gepflegtes koloniales Stadtbild und viele schöne Kirchen. Es gibt sogar eine Fußgängerzone auf der wir Zeuge einer zur Vorweihnachtszeit üblichen Prozession werden. Es wird laut musiziert und gesungen und viele kirchliche Insignien und Marienstatuen durch die Stadt getragen. In Ermangelung eines Campingplatzes übernachten wir auf dem Hof der örtlichen Feuerwehr.


Im Lago Nicaragua gibt es die Insel Omepete, die gleich zwei Vulkane beherbergt. Wir beziehen Quartier im Camping am Hotel California in San Jorge und buchen eine Überfahrt auf die Insel. Hier informieren wir uns über prä-kolumbische Statuen und erkunden zu Fuß den kleinen Ort Altagracia, der etwas verlassen wirkt. Beim Mittag essen lernen wir das erste Mal das anscheinend in Lateinamerika verbreitete Geschäftsmodell kennen, dass die Ware erst dann beschafft wird, wenn der Kunde sie bestellt hat. So müssen wir fast 30 Minuten auf ihren Orangensaft warten, da diese erst im nächstgelegenen Gemüseladen gekauft werden müssen – wir sehen die Bedienung mit einem Netz Orangen in die Küche verschwinden...

Zufällig treffen wir unsere El Salvador Bekanntschaft Val und Jeff aus Kanada abends auf unserem Camping wieder. Solche schönen Zufälle werden wir noch öfters auf unserer Reise erleben.


Nach vielen heißen Tagen und auch Nächten verlassen wir Nicaragua mit schönen Eindrücken von Land und Leuten.


Unsere Erkenntnisse in Nicaragua:

  • sehr freundliche und hilfsbereite und interessierte Menschen

  • es gibt gutes und günstiges Bier in 1Liter Flaschen – nach der täglichen Hitze eine wunderbare Erfrischung zum Sonnenuntergang

  • Nicaraguaner mögen es wohl gerne mal laut, auch und insbesondere nachts – zumindest anlässlich von Prozessionen und Feuerwerk

  • Man trifft immer wieder auf in ihren Heimatländern gescheiterte Menschen – in diesem Fall trafen wir den ca. 70jährigen deutschen Arzt Dr. Julius Hellenthal, dessen Theorien in der Heimat wohl nicht so auf Gegenliebe stießen, weswegen er sich nach Nicaragua abgesetzt hat und dort eine Privatklinik betreibt. Er und seine 40 Jahre jüngere Freundin sprengten unsere abendliche Tischrunde in einem Lokal in San Jorge.


Strecke:

Leon→ Parque Nacional del Volcan Masaya → Granada → Lago Nicaragua/San Jorge


Zeitraum: 27.11. - 04.12.2009