Next pageEquador

Ecuador hat den Äquator und einige sehr hohe Berge, wie den Cotopaxi und den Chimborazo. Und zu Ecuador gehören die Galapagos Inseln. Das war unsere Vorstellung vom Land. Entdeckt haben wir dann noch eine Menge mehr.


Nach der Aufregung der letzten Tage mit dem Pickup und den vielen tollen Eindrücken aus Kolumbien kommt uns die Ruhepause in Ibarra sehr gelegen, wo wir bei einem australischen Gärtner für zwei Wochen kostenlosen Unterschlupf auf seinem großen Grundstück oberhalb der Stadt finden. Graham, selbst viel gereist, ist ein hilfsbereiter und unaufdringlicher Gastgeber, der uns seine Wahlheimat auf gemeinsamen Ausflügen in die Umgebung nahebringt und uns an seinem alltäglichen Leben mit seinen Freunden und Nachbarn teilhaben lässt. So lernen wir einige Einheimische und deren Lebenssituation kennen. Auf diese Weise werden wir auch einmal zum Meerschweinchen essen eingeladen...

Graham hilft uns auch, als wir mit Schrecken feststellen, dass die temporäre Importgenehmigung für unseren Pickup durch einen Fehler beim Zoll schon nach einem Tag abgelaufen ist.

Per Skypecall mit ihrem Chef verlängert Carina mal eben ihren Langzeiturlaub um 6 Monate – ein super Gefühl!

Von Ibarra aus starten wir zu unserem einwöchigen Trip auf die Galapagos Inseln (siehe separater Bericht), wonach wir zu Graham und unserem Camper zurückkehren.


Südlich von Ibarra erkunden und erwandern wir schöne Landschaften und Lagunen, wie z.B. die Lagunas Mojanda und Cuicocha. Dabei treffen wir Einheimische, von denen zwei sogar eine Zeit lang in Deutschland gelebt und in den Fußgängerzonen Panflöte gespielt haben. Hier kommen sie also her...


Dann stehen wir endlich direkt auf dem Äquator. Zu seiner „Würdigung“ gibt es nördlich von Quito gleich zwei Museen. Hier führen wir erkenntnisreiche Experimente mit rohen Eiern und rechts oder linksdrehenden Wasserstrudeln durch.


Nach einem kurzen Abstecher in den Nebelwald rund um Mindo wollen wir als nächstes in den Cotopaxi Nationalpark. Dafür müssen wir südlich an Quito vorbei. Leider schleust uns unser Navi direkt durch den Großstadt-Feierabendverkehr – ein Drama. Der Cotopaxi hüllt sich dann auch in dunkle Regenwolken, sodass wir ihn nicht zu Gesicht bekommen und unverrichteter Dinge weiterfahren.


Die Gegend um den Ort Zumbahua ist noch durch die vielen indigenen Gemeinden geprägt. Der Markt ist daher sehr interessant im Hinblick auf Waren und Leute. Hier stellen wir fest, dass uns kürzlich jemand Falschgeld angedreht hat.

Die Laguna Quilotoa ist wunderschön anzusehen und in der Ferne ragen verschiedene Vulkankegel in die Höhe. Wir wandern zum Kratersee hinunter und genießen die Stille. Die Nacht auf 3.800m ist kalt und windig.


Weiter geht’s ins Tiefland mit eher subtropischem Klima. Banos ist ein touristischer Magnet im Land. Von hier aus kann man u.a. Touren in den Dschungel unternehmen. Auch wir buchen so eine Tour, müssen dafür aber nochmal in den Nordosten des Landes zurück fahren, da man uns dort größere Chancen zum erfolgreichen Tier-Spotting verspricht. Unterwegs erleben wir tropische Regengüsse, Überschwemmungen, einen deutschen Pommesbuden-Besitzer in Tena (einem von vielen Deutschen hier), Hitze und Schwüle, Montezumas Rache und Lago Agrio, eine Grenzstadt zu Kolumbien, die wegen des hier florierenden Drogenschmuggels als sehr gefährlich gilt.


Von hier aus geht es mit einem privaten Guide in den Cuyabeno Nationalpark, um in einem Einbaum eine dreitägige Expedition auf dem Rio Negro mitten durch den Dschungel zu unternehmen. Es ist eine einmalige Erfahrung in Bezug auf die Ernährung – unser Guide kocht für uns, das Klima (sintflutartige nächtliche Regengüssen, sodass das Wasser um fast einen Meter steigt) die Quartiere (in Don Angulos Stelzenhaus oder im Zelt am Boden) und die Hygiene (quasi nicht vorhanden). Die Vegetation ist üppig und unser Guide zeigt und erklärt uns vieles. Er fällt sogar eine Palme, um das Palmherz auszulösen, dass wir später essen können. Tiere gibts leider nicht in dem erhofften Maße zu sehen, dafür kommt man in 3 Tagen nicht genügend weit weg von der Zivilisation.


Wieder auf dem Weg nach Süden und in die Anden sehen wir den Cotopaxi wieder nicht. Dafür aber den 6.310m hohen Chimborazo, nachdem wir eine fürchterlich stürmische und regnerische Nacht an einem stillgelegten Bahnhof auf 3.600m verbracht haben.


Nächstes Ziel ist Cuenca, eine schöne Stadt im Süden Ecuadors mit einem intakten kolonialen Stadtbild. Wir erkunden die Stadt und erleben aus Anlass des Stadtgeburtstages eine Parade. Hier können wir auch auf dem unter Reisenden bekannten Camping mal wieder etwas entspannen und treffen den ein oder anderen neuen oder altbekannten Reisenden.


Letzte Station in Ecuador ist Vilcabamba, ein kleiner, eher unbedeutender Ort in malerischer Landschaft. Das lokale Hostel unter deutscher Leitung bietet uns nochmal gutes deutsches Essen, z.B. Schnitzel, sowie Entspannung in angenehmer Umgebung mit gutem Komfort.


Die Vielfalt und Schönheit der Natur sowie die schönen Begegnungen haben uns länger in dem doch eher kleinen Land gehalten, als erwartet.


Unsere Erkenntnisse in Ecuador:

  • zum Friseur gehen und auf Spanisch erklären müssen, wie man es haben will, ist nicht so einfach; außerdem sind Kurzhaarfrisuren bei Frauen eher unüblich

  • man ist sich anscheinend nicht ganz einig, wo genau der Äquator verläuft; jedenfalls gibt es zwei Museen in 2km Entfernung voneinander, die jeweils ihre Markierung für die Richtige halten

  • in Quito muss man sein Eigentum ständig im Blick haben, sonst ist man es schnell los

  • Benzin ist hier super billig (Ecuador ist Ölproduzent), das Normal-Benzin dafür von sehr schlechter Qualität und Super Benzin gibt es manchmal nicht – das ist wie beim Schuster und seinen Schuhen...

  • als Paar unverheiratet und kinderlos zu sein, ist für ecuadorianische Frauen völlig unverständlich

  • man kann etwas erst reparieren lassen, wenn es auch wirklich kaputt ist – ein seltsames Geräusch irgendwo am Fahrzeug reicht da nicht aus

  • Ecuador ist ein Land, in das man gut einwandern kann – wir haben hier viele „Ausländer“ getroffen, die sich hier eine neue Existenz aufgebaut haben.

  • Man kann hier wunderbares Kassler kaufen und mal wieder ein richtig deutsches Essen kochen

  • Schuhe in Größe 46 zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit, übrigens nicht nur in Ecuador – die Südamerikaner sind eben doch etwas kleiner als ein ausgewachsener Nordeuropäer

  • Polizisten können auch nett sein – als wir ein bis zwei Ampeln übersehen, belässt man es bei einer Verwarnung mit der Begründung, wir sollen sein Land in guter Erinnerung behalten


Strecke:

Ibarra →Quito → Galapagos → Lagunas Mojanda/Cuicocha → Mitad del Mundo → Mindo → Cotopaxi → Zumbahua → Laguna Quilotoa → Banos → Parque Nacioal Cuyabeno → Chimborazo → Cuenca → Vilcabamba


Zeitraum: 26.02. - 15.4.2010