Next pageKolumbien

Endlich die Anden sehen! Wir freuen uns schon lange darauf, auch wenn diese in Kolumbien noch nicht so spektakulär sind, wie später in Peru oder Chile. Dafür sind die zwei sich parallel von Nord nach Süd durchs Land ziehenden Kordilleren sehr schön grün. Aber auch in Kolumbien gibt es schon 5.000er, einen davon werden wir besteigen!


Zunächst verbringen wir jedoch einige Tage in Cartagena an der Karibikküste, bevor wir unser Auto wieder in Empfang nehmen können. Die Altstadt ist von einer alten Stadtmauer umrahmt und ein wunderschönes Beispiel kolonialer Architektur. Wir lassen die Atmosphäre der lebendigen Stadt auf uns wirken und genießen das Treiben auf den Plätzen, wo man für die Touristen u.a. Cumbia-Musik und entsprechende Tänze vorführt. Oberhalb der Altstadt liegt das Castillo San Felipe de Batajas, das wir ebenso besichtigen wir das Museo del Oro und das Inquisitionsmuseum - gruselig.


Inzwischen sind auch viele der anderen Reisefreunde auf verschiedensten Wegen in Cartagena eingetroffen und wir treffen uns abends auf einer Plaza. Alle warten ungeduldig auf die Ankunft ihrer Fahrzeuge, damit die Reise weitergehen kann.

Es wird erzählt, dass in der Nacht davor einige Hostels überfallen und deren Gäste beraubt wurden...Zum Glück hat es niemanden aus der Runde getroffen. Wir fragen uns, wo die vielen Polizisten wohl waren, die man tagsüber so im Stadtbild sieht.


Nach 5 Tagen hat das Warten ein Ende und wir können unseren Pickup beim Zoll auslösen. Die ganze Prozedur ist sehr aufwendig und nur zu bewältigen, wenn man sich vorher durch Erfahrungsberichte anderer Reisender darüber detailliert informiert hat. Wir benötigen insgesamt 11 Stunden, was sich zunächst viel anhört. Aber alle, die es innerhalb eines Tages schaffen, können sich glücklich schätzen.

Wir verbringen noch 2 weitere Tage in Cartagena, um das Auto und uns wieder reise-bereit zu machen.


Nach einem Abstecher an den karibischen Strand von Tananga und einem Schlammbad inkl. Massage im Vulkankegel des Tutumo zieht es uns ins Landesinnere. Die Fahrt ist lang und führt zunächst durch dünnbesiedeltes, eher unattraktives Gebiet. Schon hier lernen wir die Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft der Bewohner kennen.

Erster Höhepunkt ist der Chicamocha Canyon, der die Ausmaße des Grand Canyon noch überbietet, aber in unseren Augen trotzdem nicht so spektakulär ist.

Barichara und Villa de Leyva sind zwei pittoreske Orte, die oft als Filmkulisse für internationale Produktionen herhalten müssen. Sie sind touristisch erschlossen und bieten uns Zeit zur Entspannung mit Freunden, das Bestaunen von Ausgrabungsfunden, z.B. eines Baby-Kronosaurus oder von penisartigen Stelen der Musica-Indianer.


In Zipaquira bestaunen wir eine Salzkathedrale, die in ein Salzstollen hineingebaut wurde. Von dort aus geht es mit dem Bus nach Bogota, wo wir uns in ein Hostel einquartieren. Wir verbringen allein zwei Tage im sehr beeindruckenden und didaktisch sehr guten Museo de Oro. Ansonsten erkunden wir die Stimmung der Stadt, die uns sehr gefällt, auch wenn man sie, vor allem im Vergleich mit Cartagena, nicht unbedingt als schön bezeichnen kann. Auch das lokale Essen schmeckt uns sehr gut.


Dann geht es endlich höher in die Anden auf über 2.500 Meter. Wir fahren durch urwaldartige Gegenden mit großen Farnbäumen, die in den besiedelteren Gegenden von Zuckerrohr und Bananenplantagen abgelöst werden. In Manizales versuchen wir, ein seltsames Geräusch am Auto beheben zu lassen, was leider nicht wirklich gelingt.

Sehr eindrucksvoll ist der Parque Nacional los Nevados, wo wie mit einem Giude eine Wanderung zu einem Gletscher am Vulkan Ruiz unternehmen. Dabei gehen wir bis auf eine Höhe von 5.125m – im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend.


Auf einem Campingplatz bei Salento, einem kleinen Örtchen inmitten des kolumbianischen Kaffeehochlandes, lernen wir wiedermal einen durchgeknallten Typen, den Chef des Platzes kennen. Er kommt ab und an Tüte-rauchend vorbei und erzählt skurrile Geschichten.


Die Fahrt führt weiter, die Anden-Kordilleren hoch und runter, vorbei an Kolonnen von LKWs und regelmäßig postierten gepanzerten Militärfahrzeugen, bis in die Desierto de Tatacoa. Hier ist die Luft so klar, dass es zum Eldorado für Sternengucker – auch professionelle – geworden ist. Wir haben Glück und erhalten eine Privatführung im Observatorium, bei der wir u.a. den großen Orionnebel durchs Riesenteleskop bewundern dürfen. Der Preis für die einmalige Lokation sind brütende Hitze – selbst nachts noch 29 Grad – und Milliarden von mikroskopisch kleinen Stechfliegen, die unsere Fenstergaze überwinden und uns morgens wie Streuselkuchen aussehen lassen.


Ziel im Südosten Kolumbiens ist San Augustin, berühmt für den 'Parque Arqueológico', wo es Statuen einer geheimnisvollen Kultur gibt, die in dieser Gegend zwischen 3.500 v. Chr, bis 1.400 n. Chr. gelebt haben. Ein Guide erklärt uns ausgiebig, was wir sehen und was man bis jetzt darüber herausgefunden hat. Anschließend überredet er uns noch zu einem Ausritt durch die Obstplantagen zu einer weiteren Ausgrabungsstätte. Wir hoch zu Ross – das ist sehr ungewohnt und anstrengend, aber es lohnt sich. Unsere durch Hitze und ungewohnte Fortbewegung aufkommende Schwäche versuchen wir bei einem Zwischenstopp mit einem Koka-Tee zu bekämpfen. Wir verbringen mit anderen Reisenden noch einige entspannte Tage auf einem schönen Campingplatz.


Unser Pickup gibt in den letzten Tagen immer mehr unschöne Geräusche von sich, die, wie wir inzwischen wissen, von der Aufhängung der Kardanwelle stammen. Auf dem beschwerlichen Weg über schmale, vom Regen schlammige Pisten über die Anden Richtung Pasto geht dann plötzlich gar nichts mehr. Mitten im Nichts auf ca. 2.000 m Höhe und 100 km vom nächsten Ort entfernt streikt zum ersten Mal unser Gefährt. Da wir einen 4x4 Antrieb haben, erlaubt uns das Ausbauen der Kardanwelle die Weiterfahrt. Dabei hilft uns der Fahrer eines Bäckerwagens, den wir nach einigem Warten in der einsamen Gegend anhalten können. Statt unser Geld als Dank anzunehmen, gibt er uns noch etwas von seinen Backwaren ab! Im nächsten Dorf versucht ein Mechaniker, Getriebeöl nachzufüllen, da wir durch die Demontage der Kardanwelle welches verlieren. Seine Frau lädt uns in ihr Haus ein und bietet uns allerlei zu Essen und zu Trinken an. Wir können sehen, wie ärmlich die Familie lebt, aber ihre Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft ist überwältigend.

In Pasto repariert uns dann ein 75jähriger deutschstämmiger Mechaniker mit stoischer Ruhe und Akribie unsere Aufhängung. Nebenbei lernen wir noch seine Geschichte und Familie kennen. Wir sind erleichtert, dass wir wieder mobil sind, denn wir müssen weiter Richtung Ecuador, da wir eine Trip nach Galapagos gebucht haben.


Auf dem Weg zur Grenze besichtigen wir noch die sehr sehenswerte Kathedrale von Las Lajas, die über eine Schlucht mitten im Nirgendwo gebaut wurde und ein beliebter Wallfahrtsort ist.


Es gäbe noch viel mehr anzuschauen in Kolumbien, aber wir müssen leider weiter.


Unsere Erkenntnisse in Kolumbien:

  • Kolumbien ist gar nicht gefährlich, wenn man nicht dorthin fährt, wo es gefährlich ist! Polizei- und Militärpatrouillen sind sehr präsent und teilen einem das unaufgefordert, aber freundlich mit

  • die Kolumbianer sind sehr freundliche, aufgeschlossene und hilfsbereite und lebensbejahende Menschen. Sie sind froh, dass Touristen trotz des schlechten Images ihres Landes kommen

  • trotzdem muss man aufpassen, dass man nicht betrogen wird – wir sind einem Trickbetrüger beim Geld wechseln auf den Leim gegangen und an Tankstellen sollte man immer kontrollieren, ob die Zapfuhr auch auf Null steht

  • es gibt keine spektakulären, aber viele verschiedene landschaftliche und kulturelle Attraktionen – die Wege zwischen ihnen sind weit


Strecke:

Cartagena → Vulkan Tutumo → Taganga → San Gil → Barichara → Parque Nacional Chicamocha → Villa de Leyva → Suesca → Zipaquira → Bogota → Manizales → Santa Rosa → Parque Nacional los Nevados/Nevado del Ruiz → Salento → Desierto Tatacoa → San Augustin → Pasto → Las Lajas


Zeitraum: 13.01. - 26.02.2010